Bauchfellmetastasen

Peritonealmetastasen (Bauchfellmetastasen) müssen kein Todesurteil sein – HIPEC und PIPAC können helfen.

Bei allen im Bauch wachsenden Krebserkrankungen können Bauchfellmetastasen auftreten. Sehr selten treten aber auch Metastasen (Tochtergeschwülste) von anderen Karzinomen am Peritoneum auf.

Häufigkeit
Pseudomyxoma peritonei100 %
Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)bis 80 %
Darmkrebs (kolorektales Karzinom)bis 15 %
Magenkrebsbis 10 %
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)             bis 10%
Gallenblasenkrebsbis 10%
Brustkrebs (Mammakarzinom)< 5 %
Vorsteherdrüsenkrebs (Prostatakarzinom)< 5 %
Nierenzellkarzinom< 5 %

Tabelle 1: Häufigkeit der Bauchdeckenmetastasen bei Krebserkrankungen (nach (1)).

Wenn die Bauchfellmetasten im Bauch nicht oder mit einer konventionellen Chemotherapie behandelt werden, wird die Überlebenszeit der Betroffenen in der Regel nicht wesentlich verlängert, da die Medikamente das Bauchfell nur sehr schwer durchdringen können und so in den Metastasen nicht oder nur sehr begrenzt wirken (2).

Die Metastasen galten in der Vergangenheit als nicht chirurgisch behandelbar. Das hat sich inzwischen verändert. 1989 wurde von Sugarbaker ein Verfahren entwickelt, Peritonealmetastasen aus dem Bauch zu entfernen. Zusätzlich wird in den meisten Fällen nach vollständiger Entfernung der Bauchfellmetastasen eine Chemotherapie im Bauchraum durchgeführt, die eventuell vorhandenen verborgenen Reste der Metastasen und verbliebene einzelne Zellen abtöten soll. Das Verfahren nennt sich Peritonektomie mit HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie) (3).

Leider werden nicht alle Patienten mit Bauchfellmetastasen durch diese Operation geheilt. Voraussetzung für die Operation ist immer, dass man auch bei Vorliegen weiterer Tochtergeschwülste (z.B. in Leber und Lunge) alle Metastasen entfernen kann und dass der Dünndarm nicht oder nur begrenzt durch die Peritonealmetastasen befallen ist.

Immerhin kann bei Darmkrebs mit Peritonealmetastasen jeder Vierte durch die Operation geheilt werden (1). Auch bei Magenkrebs ist eine, leider etwas kleinere, Heilungschance vorhanden (4). Auch Patienten mit einem Ovarialkarzinom, bei denen eine Bauchfellmetastasierung im Verlauf der Behandlung entsteht (Rezidivsituation) überleben vier mal häufiger mindestens drei Jahre als die Patienten, die nur eine Chemotherapie bekommen (5). Leider profitieren Patienten mit einem Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Gallenwegskrebs nicht von der oft ausgedehnten Operation.

Auch sehr alte und/oder sehr kranke Patienten sind oft nicht für die Peritonektomie mit HIPEC geeignet, da die ausgedehnten und langandauernden Prozeduren die Kraft der Patienten überfordern können (6).

Eine Alternative für die Behandlung der Peritonealmetastasen kann die PIPAC (Pressurized Intraperitoneal Aerosol-Chemotherapie) sein. Bei dieser Therapie handelt es sich um die Vernebelung einer Chemotherapie im Bauch während einer Laparoskopie. Nachgewiesen wurde, dass die Chemotherapie mit dieser Methode sehr tief in die Metastasen eindringt und so eine effektive Wirkung erreicht werden kann. Da die Operation minimalinvasiv erfolgt und keine Organe entfernt werden, sind die Komplikationen und Komplikationsmöglichkeiten sehr überschaubar. Dieses minimale Risiko der Operation macht den Eingriff auch für alte oder sehr kranke Patienten möglich und auch Patienten, bei denen eine Symptomlinderung erreicht werden soll, z. B. mit einer durch die Peritonealmetastasen bedingten Bauchwassersucht (Aszites), können so behandelt werden. Die PIPAC ist eine sehr neue Behandlungsmethode, konnte aber in den bisher vorliegenden Daten eine Wirksamkeit ähnlich der HIPEC zeigen. Etwa die Hälfte der Patienten profitiert von der Behandlung und es sind bereits Heilungen nachgewiesen (7, 8, 9). Um die Methode und die Indikationsstellungen weiter zu verbessern, werden alle Patienten nachuntersucht und in Beobachtungsstudien eingebracht.

Die Operation dauert etwa zwei Stunden und wird minimalinvasiv durchgeführt. Die Bauchfellmetastasen werden teilweise entfernt, um eine feingewebliche Untersuchung zu ermöglichen. Der stationäre Aufenthalt dauert 3 bis 4 Tage, da vor der Operation eine Computertomographie durchgeführt wird und die Überwachung nach der Operation zwei Tage dauert. Es ist mit geringen Bauchschmerzen zu rechnen, die durch Schmerzmittel gut behandelt werden können. Zusätzliche Komplikationen sind selten und auch medikamentös gut behandelbar. Die Behandlung wird weitere zweimal im Abstand von 6 Wochen durchgeführt, und auch dabei werden Peritonealmetastasen entnommen und feingeweblich überprüft. Wenn die Therapie beim dritten Mal nachweislich eine Verbesserung oder zumindest keine Verschlechterung ergibt, kann sie weiter fortgesetzt werden.

Alle Patienten, die für diese Operationen in Frage kommen, werden in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz von Fachärzten aller onkologisch behandelnden Disziplinen (Viszeralchirurgie, Gynäkologie, Urologie, Radiologie, Strahlentherapie, Hämatologie/internistische Onkologie, Gastroenterologie, Pathologie) besprochen. Die Entscheidung, ob wir diese Therapie empfehlen, wird in der Tumorkonferenz getroffen. Danach wird die Empfehlung an die Patienten weitergegeben und die Entscheidung gemeinsam getroffen.

Quellenangaben

1 Piso P, Arnod D. Multimodal treatment approaches for peritoneal carcinosis in colorectal Cancer. Dtsch Arztbl Int 2011; 108: 802–808

2 Sadegehi B et al. Peritoneal carcinomatosis from nongynecologic malignances: results of the EVOAPE1 multicentric prospective study. Cancer 2000; 88: 358–363

3 Cunliffe WJ, Sugarbaker PH. Gastrointestinal malignancy: rationale for adjuvant therapy using early postoperative intraperitoneal chemotherapy. Br J Surg 1989; 76: 1082-1090

4 Glehen O et al . Peritoneal carcinomatosis from gastric cancer: a multiinstitutional study of 159 patients treated by cytoreductive surgery combinedwith perioperative interperitoneal chemotherapy. Ann Surg Oncol 2010; 17: 2370-2377

5 Spiliotis J et al. Cytoreduktive surgery and HIPEC in recurrent epithelial ovarian cancer: a prospective randomized phase III study. Ann Surg Oncol 2015; 22: 1570-1575

6 Rohregger K, Emmanuel K. Peritonealkarzinose. Behandlung mit zytoreduktiver Chirurgie und hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie. Wien Klein Mag 2016; 19: 14-20

7 Tempfer CB et al. Activity of Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy (PIPAC) with cisplatin and doxorubicin in women with recurrent, platinum-resistant ovarian cancer: preliminary clinical experience. Gynecol Oncol. 2014; 132: 307–31

8 Nadiradze G et al. Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy (PIPAC) with Low-Dose Cisplatin and Doxorubicin in Gastric Peritoneal Metastasis. J Gastrointest Surg 2016; 20: 367–373

9 Demtroder C et al. Pressurized intraperitoneal aerosol chemotherapy with oxaliplatin in colorectal peritoneal metastasis. Colorect Dis 2015; 18: 364-371